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Der Hohe Meißner


Anfahrt

Kommt man von der A4 / E40, verläßt man diese an der Anschlussstelle Wommen (37). Von dort folgt man der B400 in Richtung Wommen, Eschwege und Sontra bis nach Ulfen. In Ulfen wechselt man auf die B27 in Richtung Wichmannshausen. In Eltmannshausen biegt man dann links ab und gelangt so auf die K34 - Abteroder Straße und folgt dieser in Richtung Abterode. In Abterode biegt man wiederum links ab, auf die K36 - Mönchshofer Straße und erreicht nach etwa 350m den Hohen Meißner.


Geomorphologische und geologische Beschreibung

Der Hohe Meißner (zwischen Kassel und Eschwege gelegen), gehört zu den höchsten Erhebungen Hessens. Bei einer Länge (Nord-Süd-Richtung) von 8 km und einer Breite von 4 km erreicht der Meißner eine Höhe von 753,6 m NN.
Die Platznahme der Meißner-Basalte erfolgte im Miozän subeffusiv (sehr oberflächennahe Intrusion). Der Förderschlot wird im Bereich der Kitzkammer vermutet. Als Indiz dafür lassen sich die Orientierung der Basaltsäulen, die Resultate der magnetischen Vermessung und petrographische Hinweise anführen. [4]


Tiefenlage der Unterfläche des Meißner-Basalts und Lage der Bohrungen und der Stollen für die Profile

Abb.1: (links) Tiefenlage der Unterfläche des Meißner-Basaltes - Isolinien in m NN (nach [4] und [9])
(rechts) Lage der Bohrungen und der Stollen für die geologischen Profilvorlagen [4]
1 = Friedrichstollen, 2 = Reidtstollen, 3 = Karlsstollen, 4 = Schwalbenthaler Stollen, 5 = Alter Vierbachstollen, 6 = Führbacher Stollen, 7 = Wilhelmsstollen und 8 = Bransröder Stollen [detailiertere Ansicht linksklick auf das Bild]



 

Der Hohe Meißner gehört mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 900mm zu den niederschlagsreichsten Gebieten Nordhessens. Die Basaltdecke bildet als Kluftgrundwasserleiter ein morphologisch hochgelegenes Wasserreservoir. Die Wasseraustritte am Meißner werden teilweise zur Versorgung der umliegenden Gemeinden und der Stadt Eschwege mit Trinkwasser genutzt. Der Keudellbrunnen ist mit einer mittleren Schüttung von 12,4 l/s (für die Jahre 1980 bis 1984) die mengenmäßig mit Abstand bedeutendste Wasserfassungsanlage am Meißner. [5]

Die geomorphologischen Verhältnisse am Meißner sind deutlich durch die periglaziale Klimasituation im Pleistozän beeinflusst worden. Die Schuttdecken am Meißner werden in Basaltblockmeere und Hangschutt mit Basaltblockanteil unterschieden. Im Westen dominiert im Schuttmaterial der Muschelkalk, sonst überwiegt der Anteil des Buntsandsteins.
Die markantesten Erscheinungen sind die Blockmeere, die aus Basaltblöcken zusammengesetzt sind. Sie treten rund um das Meißnerplateau auf. [6]

Geomagnetische Untersuchungen erbrachten den Nachweis, dass sich das Meißnermassiv in drei Abschnitte unterteilen lässt - die Bransroder-, die Schwalbenthaler und die Fürbacher-Mulde. Zwischen der Kitzkammer und den Seesteinen wurde von [7] eine nach Südwesten einfallende Hauptförderzone interpretiert. Zusätzliche Förderzonen wurden nicht erkannt. Die geomagnetischen Befunde konnten die geologischen Kartierungen bestätigen, teilweise auch ergänzen.


Profil durch die Bransröder Mulde

Abb.2: Profil durch die Bransröder Mulde (nach [2] und [3])


 

Gesteine am Hohen Meißner


Der Basalt des Hohen Meißners hat schon um 1800 das besondere Interesse der Geologen und Mineralogen gefunden. Er diente als eines der Streitobjekte bei der Auseinandersetzung zwischen Neptunisten und Plutonisten. 1799 wurde erstmals zwischen dem (liegenden dichten) Basalt und dem (hangenden körnigen) "Duckstein" unterschieden. Für diesen Duckstein führte 1822 Hauy die Bezeichnung Dolerit ein.


Regionale Verteilung der Basalte des Meißners

Abb.3: Regionale Verteilung der Basalte des Meißners (nach [1] und [8])

Die Basalte am Meißner lassen sich petrographisch in 3 Basalttypen unterscheiden - Olivindolerit, dichter Olivinbasalt und glasreicher Olivinbasalt. Der Olivindolerit ist ein mittelgrauer, leicht verwitternder Weichbasalt, der kaum für die wirtschaftliche Nutzung taugt. Er weist ein körnig-ophitisches Gefüge auf und erscheint makroskopisch gleichmäßig körnig (~ 1mm). Als dominierende Minerale treten Olivin, Pyroxen und Plagioklas auf. Untergeordnet finden sich Ilmenit, Apatit und äußerst selten Calcit.

Der dichte Olivinbasalt weist ein mikroporphyrisch-körniges bis subophitisches Gefüge auf. Der Mineralbestand gleicht dem der Olivindolerite. Die mikroporphyrischen Einsprenglinge (0,5 bis 1,5mm) sind ausschließlich Olivin-Kristalle. Die Serpentinisierung reicht von nicht vorhanden bis vollständig.

Der glasreiche Olivinbasalt an der Kitzkammer ist ein grauschwarzes, dichtes bis feinkörniges, splittrig-hartes Gestein. Auf frischen Bruchflächen weist dieses Gestein infolge seines hohen Glasanteils stets einen leichten Glanz auf. Das Gefüge ist mikroporphyrisch körnig-hyalin. Der Mineralbestand umfasst Olivin, Pyroxen, Plagioklas und Magnetit, selten auch Analcim. Alle Minerale bilden idiomorphe Kristalle, die sich frei in der Matrix befinden. Das Glas macht zwischen 30 und 50% des Gesteins aus. [1]

Unter der mächtigen Basaltdecke des Meißner ist sedimentäres Tertiär mit einem Braunkohlenlager aufgeschlossen. Die Auflagerungsfläche des Basaltes bildet das Paläorelief zur Zeit des Miozäns mit verschiedenen Sätteln und Mulden nach. Die Längserstreckung des Meißner entspricht der Richtung der großen Einmuldung, die von verschiedenen Queraufwölbungen untergliedert wird. Bereits im 16. Jahrhundert wurde die Kohle untersucht und 1578 wurde die Förderung der Braunkohle aus dem "Alten Stollen" begonnen.

Das Braunkohlenflöz hat eine durchschnittliche Mächtigkeit von 12 bis 15m. An der Basis der Kohle sind feste Bestandteile (Xylithe, Holzstruktur noch erkennbar) häufig. Die z.T. verkieselten, zerbrochenen Stämme (Koniferen) sind Überreste eines ertrunkenen Waldes.

Durch die Kontakteinwirkung des intrudierenden Basaltes wurden die oberen 2 bis 5m thermometamorph verändert. Die sog. Stangenkohle ist am stärksten beeinflusst worden. Sie besteht aus 0,5 bis 2,5cm dicken, meist sechseckigen Säulen. Die Bruchflächen zeigen einen schwachen Fettglanz. [2]

Zwischen der Kohle und dem auflagernden Basalt ist gelegentlich sog. Schwühl anzutreffen. Dabei handelt es sich um einen kohligen, schwefelkiesreichen, z.T. gebrannten Ton. Diese Tone wurden früher für die Fabrikation von Alaun verschwelt (Namensgebung). [2] Der Schwühl weist eine Mächtigkeit von 0,3 bis 1,5m, im Schwalbenthaler Revier von bis 3,0m auf. [3]


Quellen


  • [1] HENTSCHEL, H. (1978): Der Basalt des Meißner. - Der Aufschluß, Sonderband 28, 208-228, Heidelberg

  • [2] FINKENWIRTH, A. (1978): Die Braunkohle am Meißner. - Der Aufschluß, Sonderband 28, 229-236, Heidelberg

  • [3] UTHEMANN, A. (1892): Die Braunkohlen-Lagerstätten am Meißner, am Hirschberg und am Stellberg. - Abh. kgl. preuß. L.-A., NF, 7, 54 S.

  • [4] JACOBSHAGEN, V., KUHNERT, C. & WYCISK, P. (1989): Geologie des Hohen Meißners in Nordhessen. - Berliner Geowiss. Abh., Reihe A, 114, 9-76, Berlin

  • [5] BRÜHL, H. & HEGER, B. (1989): Zur Hydrogeologie des Hohen Meißners. - Berliner Geowiss. Abh., Reihe A, 114, 77-90, Berlin

  • [6] MÖLLER, K. (1989): Die geomorphologischen Verhältnisse am Hohen Meißner und ihre Interpretation. - Berliner Geowiss. Abh., Reihe A, 114, 103-114, Berlin

  • [7] BLUM, R. (1993): Die magnetische Totalintensität am Meißner. - Geol. Jb. Hessen, 121, 191-205, Wiesbaden

  • [8] PFLANZL, G. (1953): Die Geologie des Meißners in Hessen. - Diss. Univ. Marburg

  • [9] KERSTEN, G. (1986): Geologische Kartierung des südwestlichen Meißner-Gebietes und Bearbeitung der Lagerungsverhältnisse am Hohen Meißner. - Diplomarbeit, Berlin, 118 S.


 
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