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Der Kaiserstuhl


Anfahrt

Von Norden kommend erreicht man den Kaiserstuhl indem man über die E 35 (A 5) bis zur Abfahrt Nr. 59 (Riegel) fährt und die Autobahn dann in eben diese Richtung verläßt. Hat man Riegel passiert folgt man der L113 bis zum Abzweig nach Bahlingen (L116). Nach dem Ortseingangsschild in Bahlingen kommt man an einen Abzweig in Richtung Vogtsburg und folgt diesem bis nach Scheling.


Überblick
Abb. 1: Vereinfachte Geologische Karte des Kaiserstuhls [3]

 

Geomorphologische und geologische Beschreibung

Der Kaiserstuhl liegt im Oberrheingraben östlich des Rheins und nordwestlich von Freiburg i. Breisgau. Der gesamte Vulkankomplex umfasst eine Fläche von 150km2. Die größte Ausdehnung weist der Kaiserstuhl von Ihringen in Südwesten bis zum Riegeler Michaelsberg im Nordosten mit 16km auf. Die Breite beträgt maximal 12,5km. Der Totenkopf (558m) und Neunlinden (555m) sind die höchsten Erhebungen. Etwa 85% des rezenten Massives sind vom äolischen Sediment Löss bedeckt. Vor allem im Norden, Osten und Südosten des Vulkankomplexes treten Löss-Mächtigkeiten bis 30m auf. [1]
 
Auf den auf dem Löss entwickelten Böden wachsen diverse Weinsorten, wie z.B. der Müller-Thurgau, Silvaner, Ruländer (Grau-Burgunder), Blauer Spätburgunder, Weißer Burgunder und Gewürztraminer. Nahezu im gesamten Kaiserstuhl-Gebiet trifft der Weinfreund auf Weingüter und die einladenden Keller der Winzergenossenschaften. [3]
 
Die geologische Entwicklung des Kaiserstuhls begann im Eozän mit dem Einbruch des Rheingrabens. Bis zum Oligozän wurden mächtige terrestrische Sedimente abgelagert. Die vulkanische Tätigkeit begann im Miozän vor allem im Osten des heutigen Massivs mit starken Explosionsphasen. Es wurden phonolithische und essexitische Tuffe und vulkanische Brekkzien (reich an Tiefengesteinseinschlüssen) gebildet. Die wichtigste Phase des Kaiserstuhls fand etwa vor 18Ma (Miozän) statt. Es bildeten sich dabei mehrere Stratovulkane (Limberg-Lützelberg) und viele Ergüsse von Tephriten, Limburgiten und Nepheliten.
Mit einer starken intrusiven Tätigkeit vor 17Ma (Phonolithgänge, essexitische Zentralmasse, Aufstieg von Karbonatiten) endet die Entstehungsgeschichte des Kaiserstuhls. [1]


Gesteine am Kaiserstuhl

Der Kaiserstuhl im Oberrheingraben ist ein Beispiel für das Vorkommen subvulkanischer und vulkanischer, plagioklasreicher Alkaligesteine. Den größten Teil des Vulkankomplexes bauen Leucittephrite und Varianten solcher Gesteine (leucitarme Tephrite, olivinführende Tephrite) als Laven und Pyroklastite auf. Sekundäre Umwandlungen der Plagioklase und Leucite sind sehr weit verbreitet (u.a. Zeolithe). Die den Tephriten chemisch etwa entsprechenden Intrusivgesteine (Essexite und Theralithe) bilden im Zentrum des Kaiserstuhls kleine, von zahlreichen Gängen durchsetzte Körper.

Die Phonolithe am Kaiserstuhl treten als Stöcke und Gänge auf und enthalten alle einige Prozent Melanit (Ca-Fe-Ti-Granat). Der Phonolith von Oberschaffhausen ist durch seinen Gehalt an Wollastonit ausgezeichnet.
Als eine der jüngsten magmatischen Bildungen tritt im subvulkanischen Zentrum eine etwa 1km2 große Intrusion von Sövit (Karbonatit) auf. Die Hauptmasse dieser Intrusion am Badberg ist ein mittel- bis grobkörniges Gestein aus etwa 90% Calcit mit Fe-Phlogopit, Apatit, Magnetit, Diopsid und Pyrrhotin als Nebenmineralen. Der Phlogopit ist zumeist in Vermiculit umgewandelt. Als Niobminerale treten Dysabalyt (Nb-Perowskit) und Pyrochlor („Koppit“) auf. [2]


 
Q-L-M-Diagram nach [2]
Abb. 2: Felder der wichtigsten Gesteine im Q-L-M-Diagramm [2]
Q = Quarz
L = Kaliophilit + Nephelin + Calciumaluminat
M = Ferrosilit + Forsterit + Fayalit + Rutil + Calciumorthosilikat + Apatit + Calcit

 

Am Westrand des Kaiserstuhls sind den tephritischen Vulkaniten an zwei Stellen geringmächtige (1 bis 1,5m) karbonatische Lapillituffe eingelagert. Sie bestehen aus bis zu 1cm großen, kugeligen Karbonatlapilli mit mikroporphyrischer bis trachytischer Textur. Das vorherrschende Mineral ist Calcit und in geringen Mengen Magnetit, Apatit, Pyrochlor und Nb-Perowskit. [3]


Karbonatit - Bild A Karbonatit - Bild B
Abb. 3a: Karbonatit (Sövit) von Schelingen
Calcit mit Zwillingslamellen, Apatit (A), Magnetit (schwarz) und Pyrochlor (py)
Abb. 3b: Kammtextur in Gangkarbonatit, Oberbergen
Dünntafelige Calcitkristalle, senkrecht zum Salband des Ganges gewachsen, in feinkörniger, hauptsächlich aus Calcit bestehender Matrix [2]

 

Der Limburgit wurde von Rosenbusch (1872) als „Hyalo-Nephelinbasanit“ definiert. In der meist glasigen, mikrolithenreichen Matrix liegen Einsprenglinge von Titanaugit (0,3 bis 1cm), Olivin (0,5 bis 3mm) und Titanomagnetit. Die Augite sind vor allem auf angewitterten Oberflächen deutlich zu sehen.
Des Weiteren ist bei diesem Ergussgestein eine blasige oder schlackige Ausbildung häufig. In den vielen Blasen des Limburgits am Limberg ist eine sehr formenreiche und fast einzigartige Zeolith-Paragenese mit Faujasit ausgebildet, die wiederholt Gegenstand mineralogischer Forschung war. [3]


 
Limburgit [2]

Abb. 4: Dünnschliff eines Limburgits vom Limberg (Kaiserstuhl) mit Einsprenglingen von Olivin (randlich durch Umwandlung in „Iddingsit“ getrübt), Augit und Magnetit in einer mikrolithenreichen Glasmatrix [2]


 

Minerale am Kaiserstuhl

Die subvulkanischen Gesteine sind durch spätmagmatische bis autohydrothermale Mineralumwandlungen geprägt. So sind die Nepheline in Analcim und Zeolithe umgewandelt und Augit z.B. in Barkevikit.
In den Blasenräumen der Limburgite sind besonders schöne Minerale zu finden. So treten in den Steinbrüchen am Limberg radialstrahlige Aggregate von Phillipsit, aber auch Faujasit-Oktaeder, Hyalit-„Tropfen“ und Aragnonit-Nadeln auf. [3]


 

Fundmöglichkeiten

Die Gesteine des Limberges und die dort vorkommenden Minerale gewähren einen Rückblick auf die geologische Entstehungsgeschichte des Kaiserstuhls. Sämtliche Steinbrüche am Limberg stehen unter Naturschutz. Die üblichen Erfahrungswerte beim Begehen von Steinbrüchen sind zu beachten. Für das Klopfen an den Steinbruchwänden ist eine besondere naturschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung nötig. [3] Auf den vorhandenen Halden sind viele Gesteinsstücke zu finden.


 

Quellen


  • [1] Krafft, M. (1984): Führer zu den Vulkanen Europas in 3 Bänden – Teil 2: Deutschland – Frankreich. – Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart, 146 S.

  • [2] Wimmenauer, W. (1985): Petrographie der magmatischen und metamorphen Gesteine. – Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart, 382 S.

  • [3] Wilmanns, O.; Wimmenauer, W. & Fuchs, G. (1989)Der Kaiserstuhl – Gesteine und Pflanzenwelt. - Ulmer, Stuttgart, 244 S.

  • [4] http://www.lehrpfad.de/


 
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