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Geologie und Bergbau des Richelsdorfer Gebirges


 

I. Die Geologie des Richelsdorfer Gebirges

(Katja Heine)

 

Das Richelsdorfer Gebirge gehört zum Niederhessischen Bergland und zeichnet sich durch seine hohe Anzahl an Lagerstätten aus. Stratigraphisch herrschen die Schichtenfolgen des Perm, Rotliegend und Zechstein, vor, wobei das Rotliegende bei Nentershausen mit bis zu 250 m über Tage ansteht, weitere 800 m wurden erbohrt (Motzka-Nöring 1987). Des Weiteren finden sich Einheiten der Trias, vorwiegend unterer Bundsandstein, welche in der Hessischen Senke (Saar-Selke-Senke nach Stoppel & Gundlach 1983) abgelagert wurden.


Geographische Lage
Abb. 1 Geographische Lage von Richelsdorf (nach Sun & Püttmann 1996)

Die Ausbildung der Hessischen Senke erfolgte aufgrund der variszischen Entwicklung in Zentral Europa, welche in zwei Hauptschritten erfolgte. In der pre-Permzeit führte die Kompression der Kontinente und Subduktion der ozeanischen Platte zur herzynischen Orogenese (Lorenz & Nicholls 1976). Als Folge dessen bildeten sich zwei parallel verlaufende Paläo-Schwellen aus, die Oberharz-Taunus Schwelle und die Spessart-Rhön-Treischfelder-Oberkatz Schwelle. Die nachfolgende Entspannung des stark kompressiven Regimens des Variszischen Orogens führte zur Ausbildung der Rotliegendtröge, welche mit dem Abtragungsschutt des Variszischen Gebirges verfüllt wurden. Das Grundgebirge der Oberharz-Taunus Schwelle ist der Rhenoherzynischen Zone zu zurechnen, während das Grundgebirge der Spessart-Rhön-Treischfelder-Oberkatz Schwelle bereits zur Saxothuringischen Zone gehört (Sun & Püttmann 1996).


Geologische Übersicht des Richelsdorfer Gebirges
Abb. 2 Die Geologie des Richelsdorfer Gebirges (nach Stoppel & Gundlach 1983)

 

Das Perm im Richelsdorfer Gebirge

Im unteren Perm erfolgte die Schüttung klastischer Sedimente im Gebiet des heutigen Richelsdorfer Gebirges überwiegend aus Richtung der Oberharz-Taunus Schwelle. Dieser Abtragungsschutt besteht aus einer Wechsellagerung von meist roten Konglomeraten, sowie Sand-, Schluff- und Tonsteinen. Nach Auswertung mehrerer Arbeiten gliedert Motzka-Nöring(1987) das Rotliegend bei Nentershausen wie folgt:

Hangendes (Zechstein)  
Cornberger Sandstein (Weissliegendes) ca. 0 -20 m mächtig
Graue Konglomerat-Schichten ca. 12-15 m mächtig
Rote Sanstein-Tonstein-Schichten ca. 60 m mächtig
Harte violette Konglomerat-Schichten ca. 20 m mächtig
Lockere rote Konglomerat-Schichten ca. 40-45 m mächtig
Rote Sandstein-Schichten ca. 20 m mächtig
Rotgraue Konglomerat-Schichten ca. 50 m mächtig
Sandstein-Konglomerat-Schichten ca. 40 m mächtig
Liegendes  

Der Cornberger Sandstein ist ein mega-kreuzgeschichteter, fast geröllfreier Sandstein. Er ist, ähnlich dem Weißliegendsandstein, sehr massig ausgebildet, und zusammen mit den Konglomeraten zum Weißliegend gezählt (Motzka-Nöring 1987). Hierbei handelt es sich um ungleichmäßig zwischen den Grauen Konglomerat-Schichten und dem Kupferschiefer im Richelsdorfer Gebirge und im Werra-Becken abgelagerten Sedimenteinheiten. Die Stellung und Genese des Cornberger Sandsteines ist noch nicht abschließend und befriedigend geklärt, teilweise wird er zum Zechstein gezählt (Richter-Bernburg 1987). Nach S und W taucht das Rotliegende des Richelsdorfer Gebirges flach ab( Stoppel & Gundlach 1983).

Durch das Eindringen des Zechsteinmeeres von N und NE zwischen Böhmischer und Rheinischer Masse wurde das Gebiet in der nachfolgenden Zeit überflutet und es kam zur Ablagerung des Kupferschiefers und der salinaren Zechsteinfolgen. Im Bereich des Richelsdorfer Gebirges sind die Werra-, Staßfurt-, Leine- und Aller-Serie ausgebildet. Durch Bohrungen bei Nentershausen-Münden konnte der ausgebildete Zechstein dort in erheblicher Mächtigkeit nachgewiesen werden (Stoppel & Gundlach 1983). Des Weiteren kann aufgrund großer vorhandener Dolinen eine Auslaugung von erheblichen sulfatischen und carbonatischen Ablagerungen im Untergrund angenommen werden. Fossilien, so wie im Mansfelder Kupferschiefer, sind im Richelsdorfer Kupferschiefergebiet nicht bekannt.



 

Die Trias Richelsdorfer Gebirge

Durch die Absenkung nach N und die gleichzeitige Vergrößerung des Germanischen Beckens am Anfang der Trias erfolgte nunmehr die Schüttung von S von der Vindelizischen Schwelle. Im Richelsdorfer Gebirge ist der untere Buntsandstein vorherrschend. Nach Motzka-Nöring (1987) wird die Basis von der schluffig-tonigen, dunkelrotbraunen Bröckelschiefer-Folge gebildet. In größeren Mächtigkeiten folgen dann überwiegend weiße und zartrosa, häufig dickbankige Sandsteine, welche von dem etwas gröber sandigen Alheimer Sandstein abgeschlossen werden. GefolgtEs folgt eine tonig-feinsandige, meist dünnbankige, fast ausschließlich bräunlich gefärbte Wechselfolge, die vom mittleren Buntsandstein in Form des grobkörnigen Volpriehausener Sandsteins überlagert wird.

Am Nordrand des Richelsdorfer Gebirges ist das Rotliegend durch eine Störung um ca. 400m gegen den Buntsandstein versetzt.



 

Die Lagerstätten des Richelsdorfer Gebirges


Tektonische Übersicht
Abb. 3 Tektonische Übersicht des Ganggebietes (nach Thienhaus 1941)

 

 

Quellen


  • Baumann A. & Hofmann R. (1988): Strontium isotope systematics of hydrothermal vein minerals in deposits of West Germany. - Mitteil. Geol. Sachsen-Anhalt Beih. 5,Geol. Rdsch. 77/3, 747-762.

  • Gundlach H. & Stoppel D. (1966): Zur Geologie und Geochemie der Schwerspatlagerstätten im Unterwerra-Grauwackengebiet. - hess. L.-Amt Bodenforsch. 94; 310-337.

  • Gundlach H. & Stoppel (1983): Zur Schwerspat-Mineralisation und Zechstein-Stratigraphie im Richelsdorfer Gebirge (NE-Hessen) . - Z. Dt. Ges. Geowiss. Band 134, 247-268.

  • Gunzert G. (1960): Über das selektive Auftreten der saxonischen Schwerspatvorkommen in Deutschland. - Institut für Mineralogie Technische Universität Berlin, 24-49.

  • Motzka-Nöring R. (1987): Erläuterungen zur Geologischen Karte von Hessen, 1:25000; Blatt Sontra. - Hess. Landesamt f. Umwelt & Geologie, Wiesbaden.

  • Röhring M. (1998): Bergbau im Richelsdorfer Gebirge im 20. Jahrhundert, die Gewinnung von Kupferschiefer und Schwerspat bei Sontra in Hessen. - Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde 33,356 S.

  • Sun Y. & Püttmann W. (1996): Relationship between metal enrichment and organic composition in Kupferschiefer hosting structure-controlled mineralisation from Oberkatz Schwelle, Germany. - Appl. Geochem. 11, 567-581.

  • Thienhaus R. (1941): Schwerpatgänge des Richelsdorfer Gebirges. - Z. angew. Min. 3, 21-52.


 
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