DEr Antimonitbergbau von Wolfsberg
 
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Der Antimonitbergbau von Wolfsberg

(Marko Ranneberg)

 

Das Unterharzer Gangrevier

Die Gangvererzungen des Unterharzes stehen nach Liesmann (1997) in engem Zusammenhang mit tiefliegenden magmatischen Körpern. Diese Plutone dienten als Wärmemotor für ein großes Hydrothermalsystem mit metall- und mineralreichen Lösungen. Die Fluide konnten an Bruchspalten und Störungen aufsteigen. Durch Abkühlung bzw. Mischung mit anderen Formationswässern wurde ihre mitgebrachte Fracht als Erz- oder Gangminerale in vorhandenen Hohlräumen ausgefällt. Als Wirtsgesteine dienten dabei verschiedene Tonschiefer und Diabase.

Die Frage nach dem Alter der Gangvererzungen ist nicht einfach zu beantworten. Man ging lange Zeit davon aus, dass die Gangvererzungen direkt im Anschluss an die variszische Orogenese entstanden sind. Radiometrischen Altersbestimmungen zufolge sind die meisten Gänge aber erst vor 180 bis 80 Ma entstanden. Demzufolge sind die Vererzungen das Produkt der so genannten saxonischen Metallogenese, die zeitlichim Zusammenhang mit der Entstehung der Alpen steht.


Antimonitbergbau am Wolfsberg "Graf Jost Christian Zeche"

Wolfsberg befindet sich im südöstlichen Unterharz, 25 km nordöstlich von Nordhausen. Die Wolfsberger Lagerstätte befindet sich im Südosten des Gangreviers vom Großen Auerberg.


Der Unterharzer Gangbezirk
Der Unterharzer Gangbezirk mit seinen Vererzungszonen (nach Mohr 1993 & Schneiderhöhn 1941)

Obwohl die benachbarten Gänge von Hayn und Dietersdorf ebenfalls Antimon führten, war der Gang vom Wolfsberg die einzig bedeutende Antimonlagerstätte des Harzes (Liesmann 1997). Die Länge des Gangzuges betrug ca. 900 m, davon waren mindestens 275 m abbauwürdig (Schröder & Dahlgrün 1935).


Steigerriss Wolfsberg
Steigerriss der Antimonitgrube Wolfsberg (nach C.Banse der Graf Jost Christian Zeche, nachgetragen bis 1861; nachgezeichnet aus Liessmann 1997)

Auf einer 0,5 - 10 m mächtigen Gangstruktur fand sich ein etwa 200 m langes, maximal 0,5 m breites, unregelmäßiges Erzmittel, das sich bis rund 73 m unter die Stollensohle hinabsetzte (Liessmann, 1997). Nach Schröder & Dahlgrün (1935) hatten die Gangtrümmer ein Streichen von WSW nach ENE und fielen mit 65° bis 85° nach Süden ein. Neben Antimonit (Sb2S3) dem Haupterz kamen laut Liessmann (1997) auch eine Reihe von Blei-Antimon-Spießglanzen vor, von denen fünf an der Wolfsberger Lagerstätte neu entdeckt und beschrieben wurden, z.B. Plagionit (Pb5Sb8S17),. Heteromorphit (Pb7Sb8S19), Zinkenit (Pb9Sb22S42) und Chalkostibit (CuSbS2). Untergeordnet traten weiterhin Galenit (PbS), Sphalerit (ZnS), Chalkopyrit (CuFeS2) Bornit (Cu5FeS4) und Auripigment (As2S3) auf . Als Gangartenwerden von Schröder & Dahlgrün (1935) derber und z.T. drusiger bis voll auskristallisierter Quarz angegeben. Hesemann (1930) bezeichnet die Gangart als etwas außergewöhnlicher Art, die neben Quarz und Kalkspat auch Gips, Strontianit, Schwerspat und Flussspat enthält. Das Nebengestein besteht aus Tonschiefern und Grauwackenschiefern des unteren Devon (Unterems). (Schröder & Dahlgrün 1935, Hesemann 1930)

Der Bergbau geht bis in das 18. Jahrhundert zurück, in dem mehrfach Betriebs- und Ruheperioden miteinander abwechselten. Die westlich der Ortslage befindliche Hauptgrube Graf Jost Christian Zeche wurde 1726 von einer Gewerkschaft gemutet . Ab 1741 begann die Gewerkschaft regelmäßig Antimonit zu gewinnen. Nach Verpachtung des auf Stollberger Gebiet liegenden Grubenfeldes an die Anhaltinischen Berg- und Hüttenwerke (1793) stand die Grube bis 1861 ununterbrochen in Betrieb (Hesemann 1930, Liessmann 1997, Schröder & Dahlgrün 1935).
In die erste Hälfte dieser Zeit fällt ihre Glanzzeit. Eine dritte Sohle, 73 m unter der Stollensohle, war wohl vorgerichtet, aber wegen Wasserschwierigkeiten kam der Betrieb auf dieser Sohle nie recht in Gang. 1864 wurde der Betrieb eingestellt (Hesemann 1930, Liessmann 1997, Schröder & Dahlgrün 1935).
Insgesamt förderte die Antimongrube etwa 60.000 t Roherz, aus dem rund 2000 t Schmelzgut produziert wurden (Klaus 1984 zit. nach Liessmann 1997).

Heute ist die Graf Jost Christian Zeche nicht mehr zugänglich. Die Halden in der Umgebung sind die einzigen Zeugen der ehemals blühenden Bergbauregion. Unter Mineraliensammlern sind diese Halden äußerst beliebt. In der Vergangenheit konnten hier schöne Quarzstufen gefunden werden, auf denen verschiedene Antimonminerale gewachsen sind. Die einzelnen Kristalle erreichen mitunter 1 cm Größe. Heute sind die Halden weitestgehend abgesucht, so dass keine spektakulären Funde mehr gemacht werden können. Allerdings besteht die Möglichkeit durch das Sägewerk zu gehen, um an den hinteren Teil der Halde zu gelangen. Hier sind die Chancen am größten einige schöne Minerale zu finden. Privaten Sammlern gewährt der Besitzer des Sägewerkes aber leider keinen Zugang.

Quellen


  • Hesemann J. (1930): Die Erzbezirke des Ramberges und von Tilkerode im Harz. - Preußische Geologische Landesanstalt, Berlin.

  • Klaus D. (1984): Die Antimonitlagerstätte Wolfsberg/Harz. -Fundgrube 21, H.2, 35 - 45, Berlin.

  • Liessmann W. (1997): Historischer Bergbau im Harz - Kurzführer. - Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York, 336 S.

  • Mohr K (1993): Geologie und Minerallagerstätten des Harzes. - E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 495 S.

  • Schröder E. & Dahlgrün F. (1935): Erläuterungen zum Blatt Schwenda (4432). - Berlin.


 
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